St. Laurentius “Alte Pfarrkirche”


Die Kirche St. Laurentius liegt umgeben vom Friedhof auf der Spitze des “Pfarrerbuckl’s” an einem der höchsten Punkte Mainburgs. Diese Kirche war bis 1958 die Pfarrkirche, deshalb ist die Bezeichnung “alte Pfarrkirche” weit verbreitet.

Anfahrt aus Richtung Regensburg:
Am Kreisverkehr geradeaus weiter, an der ersten Kreuzung
(Farben Reiser) rechts abbiegen (Schleißbacherstr.) und
bergauf fahren

Anfahrt aus Richtung Freising:
geradeaus durch Mainburg, an der Bahnhofskreuzung (Ampelanlage) 150 m
geradeaus weiter, nach der Fußgängerampel links abbiegen (Schleißbacherstr.)
und bergauf fahren

Parkmöglichkeit:
direkt am Straßenrand / am Friedhof / an der Kirche vorbei fahren,
rechts Richtung “Altenheim / Sozialzentrum” abbiegen, dort Parkplätze
am linken Straßenrand

Geschichte der “Alten Pfarrkirche” St. Laurentius

1000 Jahre St. Laurentiuskirche Mainburg

Im Westen des Stadtgebietes von Mainburg steht auf einem geschichtsträchtigen und tragikbeladenen Hügel die Laurentiuskirche. Der Volksmund nennt sie die “alte Pfarrkirche”. Diesem Zweck diente sie mehrere Jahrhunderte hindurch. Erst mit der Erbauung der neuen Pfarrkirche im Stadtzentrum erlosch am 8.12.1958 ihre Funktion als Mittelpunkt der Pfarrei.

Aventinus behauptet, daß an der Stelle der heutigen Laurentiuskirche und des Pfarrhofes eine, wenn auch bescheidene, römische Befestigungsanlage bestanden hat. Diese Behauptung beruht auf der fälschlichen Bezeichnung der keltischen Viereckschanzen als Römerschanzen (Volksmeinung). Zur Zeit der Kelten wurden auch im Gebiet der Abens Viereckschanzen gebaut; z.B. hier im Gebiet der Ziegelei bis zum Laurentiushügel. Auf den Hügeln dienten sie auch als Fliehburgen und Kultstätten. Sie waren umgeben von Erdwällen und Holzzäunen. (P. Nappenbach: Mainburger Heimatbuch) Nappenbach: „Es ist noch keinesfalls bewiesen, daß Römer hier seßhaft geworden sind.“ Auch Detter und Vitztum nehmen Abstand von der Meinung, daß hier eine römische Befestigungsanlage war.

Hier ist der Ursprung von Mainburg. Auf diesem Hügel stand früher das Schloß der Herren von Slegilespach = Schleißbach. Sie beherrschten dieses Gebiet in der Zeit des 7. Jh. bis  9./10. Jh.
Die Entstehung des ersten Gotteshauses auf dieser Anhöhe ist einige Jahrhunderte vor der Jahrtausendwende anzusiedeln. Die Annalen berichten, daß am 25.4.825 Uualdprant und seine Gattin Ata ihren ganzen Besitz in Slegilespach mit allen Sklaven, sowie ihr väterliches und mütterliches Erbe in Gegenwart von 46 Zeugen im Beisein von Bischof Hitto, der St. Marienkirche von Freising als Schenkung übergab. Die Burgkapelle diente sicherlich zugleich als Leutkirche. Bischof Hitto hatte in Slegilespach ein Gut, das er dem Schmied Engilmar auf Bitten obiger Ata überließ, weil er “immer des Bischofs Dienstmann bleiben wolle”. Im Jahre 828 entrichtet der Schmied Engilmar an Bischof Hitto einen jährlichen Zins von einem Silberschilling für ein Lehen in Slegilespach.
Während der Durchzüge der Ungarn um 955 wurde die gesamte Burganlage zerstört. Bald nach der katastrophalen Niederlage der Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg, am 10.8.955, errichtete man an der Ostseite des Schloßgeländes eine kleine romanische Kapelle. Deren Fundamente sind noch unter der Ostwand der Kirche und in der Sakristei, dem ehemaligen Schloßturm und späteren Kirchturm (bis 1730) zu finden. Von dieser Kirche ist noch erhalten der Taufstein und eine Konsole mit einem Engelskopf über dem Westeingang.
Nach dem Beispiel Kaiser Ottos I. errichtete der Adel zum Gedenken an den Tagesheiligen beim Sieg über die Ungarn so manche Laurentiuskapelle auf seinen Burgen. Daher wurde als Patron auch für dieses dörfliche Gotteshaus St. Laurentius erwählt. Ihm sind ebenfalls die Gotteshäuser in Wolnzach, Ilmendorf, Ernsgaden und Neustadt a. D. geweiht.
Daß hierüber noch vieles im Dunkel liegt, ist darauf zurückzuführen, daß es weder für die Kirche selbst noch für die Pfarrei eine Gründungsurkunde gibt. (Schreiben des Bischöfl. Ordinariats Regensburg v. 30.5.1961)
Bei den kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Herzog Ludwig, dem Höckerigen, von Ingolstadt und Herzog Heinrich, dem Reichen, von Landshut wurde am 1.5.1436 fast ganz Mainburg und die Laurentiuskirche zerstört. Den Wiederaufbau benutzte man zur Gotisierung des Heiligtums. Der Chor = Altarraum, zwei östliche Fensterachsen und ein Teil des Kirchenschiffes zeugen noch von dieser Epoche.

Gotische Kirche:
Beim Wiederaufbau schuf man eine gotische Kirche im größeren Ausmaß. Erhalten ist noch das Presbyterium (Altarraum). Sie erstreckte sich bis zu den beiden Seitentüren. Im 30-jährigen Krieg, im Jahre 1632, beim 1. Schwedeneinfall, und 1634 wurde sie mit dem Pfarrhof von den Schweden durch Feuer vollständig  vernichtet. Um 1650 bis 1660 setzte man das ruinöse Bauwerk an gleicher Stelle notdürftig wieder instand, jedoch nicht mehr ganz im ursprünglichen Zustand.
Die überaus schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Schwedeneinfall zwangen zu äußerster Sparsamkeit. In verschiedenen Heimatbüchern kann man lesen, daß daran eine nicht mehr auffindbare Gedenktafel erinnert, die heute von einer Wandverkleidung verdeckt wird, mit der Inschrift:
„Nicht zu groß und nicht zu klein,
Nicht französisch, nicht latein,
Erbaut in jenem Jahr,
Wo kein Geschmack zu finden war.“

Weder sie, noch Spuren von ihr konnten bei der Generalrestaurierung im Jahr 1989 nach Beseitigung der Wandtafel gefunden werden.
Aus dieser (1650-1660) Zeit stammen die Statuen der beiden Seitenaltäre, die Madonna mit dem Kind und Halbmond unter den Füßen (re. Seitenaltar, „Türkenmadonna“) und die hl. Sippe auf dem li. Seitenaltar (Maria, Josef, Jesus, Zacharias, Elisabeth und Johannes d. Täufer mit dem Lamm).
Nach einer Kirchenbeschreibung von 1666 hatte die Kirche drei verletzte (=beschädigte) Altäre:
1. (Hochaltar) St. Lorenz, 2. (li. Seitenaltar) die Hl. Familie, 3. (re. Seitenaltar) Maria mit dem Jesuskind. Der Hochaltar ist eine gute Säulenanlage; in einer Nische St. Laurentius, links St. Wolfgang und Ignatius, rechts St. Leonhard(?) und Franz Xaver (Die beiden Jesuitenheiligen sind Erinnerung an die pastorale Tätigkeit der Jesuiten beim Priestermangel nach dem 30jährigen Krieg in der Hallertau. Sie errichteten die Corpus Christi Bruderschaft!). Auch die beiden Seitenaltäre zeigen gute Holzfiguren. Die Altäre stammen aus der Zeit um 1730 (1740 signiert).

Barockes Gotteshaus:
Um 1735 erhielt die Laurentiuskirche ihre heutige Gestalt. Dabei wurde das Gotteshaus nach Westen im barocken Stil erweitert. Dieser Erweiterung fielen die gotischen Fenster zum Opfer, jedoch nicht das gotische Presbyterium. Der Turm wurde als Schutz und Trutz gegen Unwetter nach Westen verlegt. Die Steinurkunden mit der Jahreszahl 1735 sind im Turm beim Eingang zum Dachboden erhalten! Die Kirche ist 40 m lang, 13,50 m breit und der Turm 46 m hoch. Um 1740 wurden dann der Hochaltar, die Seitenaltäre (signiert auf der Rückseite: Ferdinand Walprüm, Maller, 1740), Stuhlwangen, Deckengemälde und die Bilder auf den Seitenaltären geschaffen (hl. Barbara mit dem Kelch und Katharina). Die Gemälde zeigen das Martyrium des hl. Laurentius. Auffallend ist, daß die römischen Soldaten und Richter die Tracht der Türken tragen! Erinnerung an die Türkenkriege 1571, Lepanto, 1683 Wien, 1715 Belgrad.

Das Antipendium am Zelebrationsaltar mit Herz Jesusmotiv stammt vom ehemaligen Kreuzaltar, barock, ebenso die Statue des Auferstandenen über der Sakristeitüre und die Rosenkranzmadonna, die im Chorbogen hängt.

Kaum war das Gotteshaus fertiggestellt, wurde es durch die österreichischen Erbfolgekriege erneut stark in Mitleidenschaft gezogen. Am 16.2.1742 kam es bei der Laurentiuskirche zum Gefecht zwischen den bayerischen Kürassieren und den österreichischen Husaren. Die bayerischen Kürassiere setzten sich im Friedhof fest und wehrten sich dort verzweifelt. Die österreichischen Husare mußten sich begnügen, den Friedhof einzuschließen und die umliegenden Häuser in Brand zu setzen, der auch auf das Gotteshaus übergriff. Ein Jahr später ließ eine erneute Brandkatastrophe, am 16.2.1756 in Mainburg auch die Pfarrkirche nicht ohne Schaden.
In den folgenden Jahrzehnten war sie dann endlich frei von größeren Schadenseinwirkungen.
Die Friedhofsanlage mit den Mauern erinnert noch an die ehemalige Burganlage. In die Kirchenmauer sind mehrere Grabsteine (ab 1498) eingesetzt. 1898 wurde eine gründliche Innenrenovierung mit einer Erneuerung der   Deckengemälde vorgenommen. Sie zeigen Szenen aus dem Leben und das Martyrium des hl. Laurentius. Auffallend sind die vielen Engelsköpfe bzw. Figuren, insgesamt 89.
Der barocke Kreuzweg ist eine Imitation des Kreuzweges aus der Zistertienserinnen Abteikirche Oberschönfeld, gemalt vom Kirchenmaler Norbert Wrona 1993.
Bei der Totalrenovierung vom 12. Juni 1961 bis 4. Sept. 1962, die nach heutigem Kenntnisstand einer Zerstörung gleichkommt, wurde festgestellt, daß die Pfarrkirche beim Wiederaufbau  vergrößert, der Turm von der Ostseite auf die Westseite verlegt und daß unter dem Fußboden Epitaphien gefunden wurden, die in die südl. Seitenwand eingelassen waren. Gleichzeitig konnten alte, übermalte Deckengemälde wieder freigelegt werden, wobei u.a. auch ein Bild aus „Alt-Mainburg“ zum Vorschein kam (HZ. v. 27.7.1962).
Bei der Sanierung und Renovierung der Außenwände im Sommer 1988 wurden noch Relikte des romanischen Gotteshauses sichtbar, so z.B. in den Fundamenten des gotischen Presbyteriums; in den Fundamenten der Sakristei, die bis 1735 im damaligen Turm an der Nordseite des Presbyteriums untergebracht war; außerdem sind an verschiedenen Stellen des Mauerwerkes noch Ziegel aus dieser Epoche. Sie tragen eigene Kennzeichen der damaligen Zeit.

Orgel der Alten Pfarrkirche …

Innenraum der Alten Pfarrkirche …